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Caesar, Bellum Gallicum I, 31

 

Klage der Gallier über die anwachsende Zuwanderung der Germanen

 

31 (1) Eo concilio dimisso idem principes civitatum, qui ante fuerant, ad Caesarem reverterunt petieruntque, uti sibi secreto in occulto de sua omniumque salute cum eo agere liceret. (2) Ea re impetrata sese omnes flentes Caesari ad pedes proiecerunt: non minus se id contendere et laborare, ne ea, quae dixissent, enuntiarentur, quam uti ea, quae vellent, impetrarent, propterea quod, si enuntiatum esset, summum in cruciatum se venturos viderent. (3) Locutus est pro his Diviciacus Haeduus: Galliae totius factiones esse duas; harum alterius principatum tenere Haeduos, alterius Arvernos. (4) Hi cum tantopere de potentatu inter se multos annos contenderent, factum esse, uti ab Arvernis Sequanisque Germani mercede arcesserentur. (5) Horum primo circiter milia XV Rhenum transisse; posteaquam agros et cultum et copias Gallorum homines feri ac barbari adamassent, traductos plures; nunc esse in Gallia ad C et XX milium numerum. (6) Cum his Haeduos eorumque clientes semel atque iterum armis contendisse; magnam calamitatem pulsos accepisse, omnem nobilitatem, omnem senatum, omnem equitatum amisisse. (7) Quibus proeliis calamitatibusque fractos, qui et sua virtute et populi Romani hospitio atque amicitia plurimum ante in Gallia potuissent, coactos esse Sequanis obsides dare nobilissimos civitatis et iure iurando civitatem obstringere sese neque obsides repetituros neque auxilium a populo Romano imploraturos neque recusaturos, quominus perpetuo sub illorum dicione atque imperio essent. (8) Unum se esse ex omni civitate Haeduorum, qui adduci non potuerit, ut iuraret aut liberos suos obsides daret. (9) Ob eam rem se ex civitate profugisse et Romam ad senatum venisse auxilium postulatum, quod solus neque iure iurando neque obsidibus teneretur. (10) Sed peius victoribus Sequanis quam Haeduis victis accidisse, propterea quod Ariovistus, rex Germanorum, in eorum finibus consedisset tertiamque partem agri Sequani, qui esset optimus totius Galliae, occupavisset et nunc de altera parte tertia Sequanos decedere iuberet, propterea quod paucis mensibus ante Harudum milia hominum XXIIII ad eum venissent, quibus locus ac sedes pararentur. (11) Futurum esse paucis annis, uti omnes ex Galliae finibus pellerentur atque omnes Germani Rhenum transirent; neque enim conferendum esse Gallicum cum Germanorum agro neque hanc consuetudinem victus cum illa comparandam. (12) Ariovistum autem, ut semel Gallorum copias proelio vicerit, quod proelium factum sit ad Magetobrigam, superbe et crudeliter imperare, obsides nobilissimi cuiusque liberos poscere et in eos omnia exempla cruciatusque edere, si qua res non ad nutum aut ad voluntatem eius facta sit. Hominem esse barbarum, iracundum, temerarium; (13) non posse eius imperia diutius sustineri. (14) Nisi quid in Caesare populoque Romano sit auxilii, omnibus Gallis idem esse faciendum, quod Helvetii fecerint, ut domo emigrent, aliud domicilium, alias sedes remotas a Germanis petant fortunamque, quaecumque accidat, experiantur. (15) Haec si enuntiata Ariovisto sint, non dubitare, quin de omnibus obsidibus, qui apud eum sint, gravissimum supplicium sumat. (16) Caesarem vel auctoritate sua atque exercitus vel recenti victoria vel nomine populi Romani deterrere posse, ne maior multitudo Germanorum Rhenum traducatur, Galliamque omnem ab Ariovisti iniuria posse defendere.

 

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Übersetzung

31 (1) Nach Aufhebung dieses Landtages kamen die selben Fürsten wie vorher zu Caesar zurück und baten, mit ihm unter vier Augen an einem abgelegenen Ort über ihr persönliches Wohl und das Wohl aller verhandeln zu dürfen. (2) Nachdem sie das erreicht hatten, warfen sich alle weinend Caesar zu Füßen: sie bemühten sich ebenso angestrengt, dass ihre Worte nicht verraten werden, wie dass sie ihre Wünsche durchsetzen, deswegen weil sie sähen, dass sie nach einem Verrat den schlimmsten Martern entgegengehen würden. (3)In ihrem Namen sprach der Häduer Diviciacus: ganz Gallien spalte sich in zwei politische Parteien;  von denen hätten die Haeduer die Herrschaft über die eine inne, über die andere die Averner. (4) Weil diese unter einander sehr stark viele Jahre um den politischen Einfluss kämpften, sei es geschehen, dass von den Avernern und Sequanern die Germanen gegen Sold herbeigerufen worden seien. (5) Von diesen hätten anfangs ungefähr 15.000 den Rhein überschritten; nachdem diese wilden und ungebildeten Menschen das Ackerland, die Lebensweise und den Wohlstand lieb gewonnen hätten, seien mehr herübergeführt worden; nun seien in Gallien an die 120.000. (6) Gegen diese hätten die Haeduer und ihre Gefolgsleute wiederholt gekämpft; sie seien geschlagen worden, hätten eine schwere Niederlage erlitten und ihren gesamten Adel, den gesamten Senat und die gesamte Reiterei verloren. (7) Durch diese Kämpfe und Niederlagen gebrochen seien sie, obwohl sie sowohl durch ihre eigene Tapferkeit als auch durch die Gastfreundschaft des römischen Volkes einen sehr großen Einfluss vorher in Gallien gehabt hätten, gezwungen worden, den Sequanern die Vornehmsten ihres Staates als Geiseln zu stellen und den Stamm eidlich zu verpflichten, weder die Geiseln zurückzufordern, noch das römische Volk um Hilfe zu bitten, noch sich zu weigern, ständig im völligen Abhängigkeitsverhältnis jener zu sein.(8) Er allein vom gesamten Stamm der Haeduer sei es gewesen, der nicht dazu gebracht werden konnte, zu schwören oder seine Kinder als Geiseln zu stellen. (9) Deswegen sei er aus dem Stamm geflüchtet und nach Rom zum Senat gekommen, um Hilfe zu erbitten, weil er allein weder durch einen Eid noch durch Geisel gebunden sei. (10) Aber die Sache sei für die siegreichen Sequaner schlechter ausgegangen als für die besiegten Haeduer, deswegen weil Ariovist, der König der Germanen, sich in ihrem Gebiet niedergelassen und ein Drittel sequanischen Ackerlandes, des besten ganz Galliens, besetzt hätte und jetzt befehle er den Sequanern, noch ein zweites Drittel zu räumen, deswegen weil wenige Monate vorher 24.000 Haruden zu ihm gekommen wären, denen Gebiete als Wohnsitz bereitgestellt werden sollten. (11) In wenigen Jahren würden sie alle aus dem Gebiet Galliens vertrieben werden und alle Germanen würden den Rhein überschreiten; weder sei das gallische Gebiet mit dem Gebiet der Germanen vergleichbar noch diese Lebensweise mit jener. (12) Seit Ariovist aber die Truppen der Gallier im Kampf besiegt habe, was in der Schlacht bei Magetobriga geschehen sei, herrsche er hochmütig und grausam, er verlange die Kinder gerade der Vornehmsten als Geiseln und statuiere an ihnen alle Arten von Folterungen, wenn etwas nicht nach seinem Wink und Willen geschehen sei. Er sei ein ungebildeter, jähzorniger und unbesonnener Mensch; (13) nicht könne man seine Herrschaft länger ertragen. Wenn es bei Caesar und dem römischen Volk keine Hilfe gäbe, müssten alle Gallier dasselbe machen, was die Helvetier schon gemacht haben, nämlich auswandern, eine andere Heimat, andere von den Germanen entfernte Wohnsitze aufsuchen und ihr Glück, wie immer es auch ausfalle, probieren. (15) Wenn das Ariovist gemeldet werde, zweifle er nicht, dass dieser an allen Geiseln, die bei ihm sind, die grausamste Todesstrafe vollziehen werde. (16) Caesar könne entweder durch sein persönliches Ansehen und das seines Heeres oder durch den jüngsten Sieg oder durch den Namen des römischen Volkes verhindern, dass eine noch größere Menge Germanen über den Rhein geführt werde, und er könne ganz Gallien vor dem Unrecht des Ariovist schützen.

 

 

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