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Plinius, Epistulae X, 39 + 40 

 

Ein Bauskandal

 

C. PLINIUS TRAIANO IMPERATORI

Theatrum, domine, Nicaeae maxima iam parte constructum, imperfectum tamen, sestertium, ut audio (neque enim ratio1 operis excussa est), amplius centiens2 hausit; vereor, ne frustra. ingentibus enim rimis desedit et hiat,3 sive solum umidum (est) et molle, sive lapis ipse gracilis et putris; dignum est certe deliberatione, sitne faciendum4 an sit relinquendum an etiam destruendum. nam fulturae ac substructiones, quibus subinde suscipitur, non tam firmae mihi quam sumptuosae videntur.4

Huic theatro ex privatorum pollicitationibus multa debentur, ut basilicae circa, ut porticus supra caucam. Quae nunc omnia differuntur cessante eo, quod ante peragendum est.

Iidem Nicaeenses gymnasium incendio amissum ante adventum meum restituere coeperunt, longe numerosius laxiusque quam fuerat, et iam aliquantum erogaverunt; periculum est, ne parum utiliter; incompositum enim et sparsum est. Praeterea architectus, sane aemulus eius, a quo opus incohatum est, adfirmat parietes quamquam viginti et duos pedes latos imposita onera sustinere non posse, quia sint caemento medii farti nec testaceo opere praecincti.

Claudiopolitani quoque4in depresso loco, imminente etiam monte, ingens balineum defodiunt magis quam aedificant et quidem ex ea pecunia, quam buleutae additi beneficio tuo aut iam obtulerunt5 ob introitum aut nobis exigentibus conferent.5

Ergo, cum timeam, ne illic publica pecunia, hic, quod est omni pecunia pretiosius, munus tuum male collocetur, cogor4petere a te, non solum ob4theatrum, verum4 etiam ob haec balinea, mittas architectum dispecturum, utrum sit utilius post4sumptum, qui factus est, quoquo modo consummare4opera, ut incohata sunt, an, quae videntur emendanda, corrigere, quae4transferenda, transferre, ne, dum servare volumus, quod impensum4est, male impendamus, quod addendum est.

 

TRAIANUS PLINIO

Quid oporteat fieri circa theatrum, quod incohatum apud Nicaeenses est, in re praesenti optime deliberabis et constitues. Mihi sufficiet indicari, cui sententiae accesseris: Tunc autem a privatis exige opera, cum theatrum, propter quod illa promissa sunt, factum erit.

Gymnasiis indulgent Graeculi; ideo forsitan Nicaeenses maiore animo constructionem eius aggressi sunt: sed oportet illos eo contentos esse, quod possit illis sufficere.

Quid Claudiopolitanis circa6 balineum, quod parum, ut scribis, idoneo loco incohaverunt, suadendum4sit, tu constitues. Architecti tibi deesse non possunt. Nulla provincia est, quae4non et peritos et ingeniosos homines habeat; modo ne existimes brevius4esse ab urbe mitti, cum ex Graecia etiam ad nos venire soliti sint!

1 rationem excutere: Abrechnung prüfen; 2 centiens sestertium: 10 Millionen Sesterzen; 3 hiare: Risse bekommen; 4 erg.: theatrum; 5 (pecuniam) offerre/conferre: zahlen; 6 circa + Akk.: bezüglich.

 

Plinius an Kaiser Trajan

Das Theater, Herr, in Nicaea ist zum größten Teil schon errichtet, aber dennoch unvollendet und hat, wie ich höre, (die Abrechnung des Bauwerkes ist nämlich noch nicht geprüft) mehr als 10 Millionen Sesterzen verschlungen, ich fürchte, vergeblich. Denn durch gewaltige Spalten hat es sich gesenkt und es bekommt Risse, sei es dass der Boden feucht und weich ist, sei es dass der Stein dünn und mürbe ist; sicherlich ist es eine Überlegung wert, ob es gebaut, stehengelassen oder auch abgerissen werden muss. Denn die Pfeiler und Unterbauten, mit denen es von Zeit zu Zeit abgestützt wird, scheinen mir eher teuer als stark zu sein.

Diesem Theater wird noch vieles aus den Versprechungen von Privatleuten vorenthalten, wie zum Beispiel die Hallen ringsum, wie die Galerien über dem Zuschauerraum; und das wird nun alles aufgeschoben, weil das, was vorher gemacht werden muss, liegen bleibt.

Ebenso haben die Bewohner von Nicaea begonnen ein durch einen Brand verlorenes Gymnasium vor meiner Ankunft wieder aufzubauen, weitaus umfangreicher und geräumiger als es gewesen war, und sie haben schon eine ziemlich große Menge ausgegeben; es besteht die Gefahr, ziemlich nutzlos, denn es (das Gymnasium) ist kunstlos und unregelmäßig. Außerdem behauptet ein Architekt, freilich ein Konkurrent dessen, von dem das Werk begonnen wurde, dass die Wände, obwohl sie 22 Fuß breit sind, die aufliegenden Lasten nicht tragen können, weil sie in der Mitte mit Bruchstein gefüllt sind und nicht mit einem Ziegelwerk umgeben sind.

Auch die Claudiopolitaner bauen oder graben mehr in einer Niederung - wobei noch ein gewaltiger Berg hereinragt - ein gewaltiges Bad und zwar von diesem Geld, das die von deiner Wohltat ernannten Ratsherrn entweder als Eintrittsgeld schon bezahlt haben oder auf meine Aufforderung hin zahlen werden.

Da ich also fürchte, dass dort öffentliches Geld - hier, was noch wertvoller ist als alles Geld, dein Geschenk übel angelegt wird, sehe ich mich gezwungen, dich zu bitten, dass du nicht nur wegen des Theaters, sondern auch wegen dieses Bades einen Architekten schickst, der entscheiden wird, ob es nützlicher ist nach dem Aufwand, der (bis jetzt) betrieben wurde, die Bauwerke auf jede Art zu vollenden, wie sie begonnen worden sind, oder, zu verbessern, was verbesserungswürdig erscheint und, was verwertbar ist, zu verwerten, damit wir nicht, während wir retten wollen, was aufgewendet worden ist, das schlecht aufwenden, was noch draufgegeben werden muss.

 

 

Trajan an Plinius

Was bezüglich des Theaters, das bei Nicaea begonnen wurde , geschehen soll, wirst du am besten an Ort und Stelle überlegen und beschließen. Mir wird die Meldung genügen, welcher Ansicht du zustimmst: Dann aber verlang von den Privatleuten die Bauwerke, wenn das Theater dessentwegen jene versprochen worden sind, fertig ist.

Für Gymnasien zeigen die Griechen eine Schwäche; daher sind vielleicht die Bewohner von Nicaea mit allzu großer Begeisterung an dessen Bau herangegangen. Aber jene müssen mit dem zufrieden sein, was für sie ausreicht.

Was man den Bewohnern von Claudiopolis bezüglich des Bades, das sie, wie du schreibst, an einen wenig geeigneten Platz begonnen haben, raten muss, wirst du selbst bestimmen. Architekten können die keine fehlen. Es gibt keine Provinz, die nicht sowohl erfahrene als auch erfinderische Menschen hat; glaube nur nicht, dass es schneller geht, wenn sie aus Rom geschickt werden, da sie ja auch zu uns gewöhnlich aus Griechenland kommen!

 


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