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PHILOSOPHIE

Die Akademie

Wurde von Platon (427 - 347) im Hain des Halbgottes Akademos gegründet. Die spätere Akademie gab die Metaphysik Platons (Ideenlehre) auf und wandte sich einem Skeptizismus zu, der sich darauf beschränkte, die größere Wahrscheinlichkeit zweier Behauptungen zu ermitteln, was in einem Agnostizismus endete. Erst Antiochos von Askalon (geb. ca. 120 v. Chr.), einer der Lehrer Ciceros, öffnete sie für die Gedanken der Stoa, da er in der Verbindung zwischen der eigenen Tradition und den Elementen anderer philosophischer Systeme einen Weg zur Findung der Wahrheit sah. Diese Haltung wird Eklektizismus (ἐκλεγεῖν auswählen) genannt. Sie ist bei den Römern durch Cicero vertreten und kam einem typischen Bedürfnis der Römer entgegen, die weniger an geschlossenen Denksystemen interessiert waren als an deren praktischer Anwendung zur Bewältigung des Lebens. Die Akademie wurde 529 durch den christlichen Kaiser Justinian von Byzanz geschlossen.

Ciceros Bedeutung als Philosoph:

1. Er ist Vermittler der griechischen Philosophie an die Römer und an das gesamte Abendland und

2. der Schöpfer der philosophischen Terminologie in der lateinischen Literatur.

3. Als selbständiger Denker erweist er sich in seinen staatstheoretischen Schriften, vor allem in “De re publica”, und erfüllt das übernommene Gedankengut durchaus mit römischen Geist. Er sah sich in erster Linie als römischer Politiker, der sich berufen fühlte, seinen Landsleuten die theoretischen Grundlagen des Staatswesens vorzutragen.

Die Stoa

Zenon von Kition auf Zypern lehrte um 350 v. Chr. in der στοὰ ποικίλη, einer mit bunten Wandgemälden geschmückten Wandelhalle in Athen, von der der Name der Schule stammt. Die Grundgedanken seiner Lehre leiten sich in ethischer Hinsicht von den Kynikern mit ihrem Ideal der Bedürfnislosigkeit (εὐτέλεια) und der dadurch bedingten wahren Freiheit des Individuums her.

Es gibt ein Fatum und diese Vorsehung ist Ausdruck der Sinnhaftigkeit, die allem Seienden prinzipiell innewohnt. Wer diese göttliche Ordnung erkennt und sich ihr anschließt, und zwar aufgrund freier Willensentscheidung, der ist “glücklich” - gleichgültig, wie die äußeren Umstände beschaffen sind, weil er in gewollter Übereinstimmung mit der Weltvernunft lebt..

Der Stoiker sieht das Glück des Menschen in der Selbstgenügsamkeit, in weitgehender Unabhängigkeit von materiellen Gütern, in der Pflichterfüllung und im Bemühen um eine sittliche Lebensführung. Er glaubt an eine fürsorgende Gottheit, die die Geschicke der Menschen vorausbestimmt, und sieht die Natur mit zweckgerichteter Vollkommenheit ausgestattet. Die Idee einer alle Menschen ohne Unterschied umfassenden menschlichen Familie führte zum Gefühl der Brüderlichkeit selbst dem Sklaven gegenüber. Es zählt zu den bleibenden Verdiensten der stoischen Lehre, dass sie auf lange Sicht mit Erfolg gegen gesellschaftliche Vorurteile auftrat und Unterschiede der Volkszugehörigkeit, des Standes und der Religion nicht gelten ließ.

Panaitios aus Rhodos (ca. 180 - 99), gilt als Begründer des römischen Stoizismus, denn er verbreitete mit seinen Schriften als erster die stoische Lehre in den Adelsfamilien Roms (Scipionenkreis). Er befasste sich eingehend mit dem Begriff der humanitas: Menschenwürde, Milde, Schonung in Verbindung mit Bildungsstreben und besonderem  Lebensstil.

Poseidonios aus Apameia (ca. 135 - 51), Schüler des Panaitios, war Philosoph und Universalgelehrter. Unter seinem Einfluss stand vor allem Cicero, der ihn auf Rhodos gehört hatte.

L. Annaeus Seneca (ca. 40 v. Chr. - 65): vertrat einen “humanisierten Stoizismus”. Gedankengänge anderer philosophischer Richtungen, vor allem Epikurs, haben ihn beeinflusst.

Moralphilosophie: Betonung der praktischen Seite des Philosophierens, der unmittelbaren Anwendung der Vorschriften auf die Lebensführung. Humanes Verhalten aus echtem Bedürfnis. Seneca empfand Mitleid mit dem schwachen Menschen, der in ein Leben voll Unsicherheit hineingestellt ist. Solche Äußerungen der Menschenliebe und betont religiöse Züge, der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele und an einen gütigen, mit weiser Voraussicht waltenden Gott, ließen ihn den Christen Tertullian und Laktanz als geistesverwandt erscheinen.

Epikureismus

Epikur aus Samos, lehrte um 300 v. Chr. in Athen. Er sieht in der Lust (voluptas, ἡδονή) das höchste Gut. Er definiert diese als Freisein von Unlustgefühlen. Die geistige Lust ist der leiblichen vorzuziehen, da sie größere Beständigkeit besitzt und mehr vom Willen des Individuums abhängig ist. Politische Betätigung ist wegen der damit verbundenen Gefährdung der inneren Ausgeglichenheit (ἀταραξία zu meiden (λάθε βιώσας): lebe im Verborgenen, eine der politischen Veranlagung des Römers widersprechende Maxime). Die größte Unlust erregt die Furcht vor Göttern und Tod. Dieser begegnet Epikur durch eine konsequent materialistischen Lehre des Atomisten Demokrit von Abdera. Dieser sah die Welt als Produkt der nach rein mechanischen Gesetzmäßigkeiten erfolgenden Zusammenballungen kleinster, unteilbarer Körper (Atome), die sich in dauerndem Fall im leeren Raum bewegen und sich wieder aus ihrer Verbindung lösen. Folgerichtig nahmen Demokrit und Epikur die Existenz unzähliger Welten an. Die Götter lebten, wenn überhaupt, in den Zwischenräumen zwischen diesen Welten und kümmerten sich nicht um die Menschen, deren Tod ja nichts anderes sei als eine Auflösung der Atomverbindungen, die Körper und Seele ausmachen. Die umfassendste Darstellung der epikureischen Lehre stammt von einem Römer: T. Lucretius Carus (98 - 55 v. Chr.). Sein großes Lehrgedicht: 6 Bücher De rerum natura.

Der Epikureismus, zu dem sich z. B. auch die größten röm. Dichter Vergil und Horaz zumindest teilweise bekannten, verlor in der Kaiserzeit zunehmend an Bedeutung. An seine Stelle traten die religiösen Heilslehren der Stoa, orientalischer Mysterienkulte und schließlich des Christentums.

Charakteristik der römischen Philosophie

1. Die Römer waren auf philosophischem Gebiet nicht schöpferisch.

2. Soweit sie sich mit Philosophie beschäftigten, repräsentierten sie nicht den Philosophentypus der Griechen, sondern standen mitten im politischen Leben, als Staatsmänner, Verwaltungsbeamte oder Militärs.

3. Die Philosophie hat bei den Römern ihre besondere Aufgabe und Wirkung auf die Lebenshaltung des einzelnen Menschen; man beschäftigt sich mit ihr immer mit der Blickrichtung auf die praktische Anwendung.

4. Rom ist der Vermittler des philosophischen Gedankengut der Griechen an das Abendland.

 


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